Filmautor und Cyber-Aktivist Jaron Lanier setzt sich kritisch mit dem auseinander, was er als neuen "Online-Kollektivismus" bezeichnet und was aus seiner Sicht in der Wikipedia-Debatte am deutlichsten zum Ausdruck kommt. Es ist vor allem die Idee des Autors, der individuellen Persönlichkeit, die Lanier in der Diskussion stärken will:

"Der wahre Wert des Internets besteht darin, dass es
Menschen miteinander verbindet. Wenn wir anfangen zu glauben, dass das Netz ein eigenständiges Wesen darstellt, reduzieren wir diese Menschen zur Wertlosigkeit und uns selbst zu Idioten. Erschwerend kommt hinzu, dass es für Menschen, die schreiben und denken, keine neuen Geschäftsmodelle gibt. Zeitungen befinden sich beispielsweise in einer Phase des Niedergangs, während das Internet immer mehr Leser an sich bindet. In diesem Umfeld kann Google News derzeit mehr Umsatz verbuchen und zuversichtlicher in die Zukunft blicken als die relativ geringe Anzahl guter Reporter, die rund um die Welt den Großteil der Inhalte produzieren. So generiert das Aggregat mehr Wert als die Originale. Die Frage nach neuen Geschäftsmodellen für Inhaltsproduzenten ist ein schwieriges Thema, aber man sollte zumindest erwähnen, dass professionelles Schreiben Zeit braucht und dass die meisten Autoren dafür bezahlt werden müssen, dass sie sich diese Zeit nehmen. In diesem Zusammenhang kann man das Bloggen nicht als Schreiben gelten lassen. Als Blogger reicht es, dass man den Massen nach dem Mund redet oder Aufmerksamkeit erregt, indem man sie beschimpft."

Zum ganzen Artikel:
Digitaler Maoismus: Kollektivismus im Internet, Weisheit der Massen, Fortschritt der Communities? Alles Trugschlüsse.

Originalartikel erschienen in The Edge:
The Hazards of the New Online Collectivism

Ebenfalls interessant auf The Edge: Die intensiv geführten Debatten über den Artikel.

Interview mit Jaron Lanier im Boston Globe:
Q&A with Jaron Lanier

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